Asian-Invasion, oder verkaufen wir uns dem Tourismus?

Ein typisches Bild, sich tagtäglich wiederholender Szenen in Luzern.

Obwohl wir inmitten dessen leben, finden es Touristen selbst nicht immer lustig, fotografiert zu werden.


Seit über einem Jahr habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, verschiedene Gesellschafts-Phänomene zu fotografieren. Eines davon ist der Massentourismus, welcher, gefühlt, tagtäglich über Luzern hinweg rollt.

Auf eine Art faszinieren mich diese Menschen, häufig Asiaten, welche mit ihrem hart Ersparten eine kurze und intensive Reise durch ganz Europa machen, wohl für die meisten ein Erlebnis für's Leben. Ich komme nicht darum herum, mich jedes mal zu fragen, wie viel diese Reisenden wohl mitbekommen von den Dingen, die Sie da sehen. Als ich in Interlaken im Gastgewerbe arbeitete, sind mir oft "Touris" begegnet, die nicht einmal mehr genau wussten, in welchem Land Sie sich nun gerade befinden, oder welche Landessprache tatsächlich gerade gesprochen wird. Auch nicht verwunderlich, da die Massentouristen an manchen Tagen in einer Menge durch Luzern geschleust werden, dass ich mir den Vergleich mit der biblischen Heuschrecken-Plage nicht verwehren kann.


Da ich mich als Fotograf ein wenig damit beschäftigt habe, was denn auf der Welt so alles fotografiert wird, musste ich mit Erstaunen und dennoch mit Verständnis feststellen, dass Luzern, insbesondere die Kapellbrücke, eines der meist fotografierten Sujet der Welt zu sein scheint. Sehr faszinierend fand ich auch, als ich dann bemerkte, dass nicht alle der fotografier-wütigen Besucher es Ihrerseits mögen, selbst fotografiert zu werden. Unter anderem hat das den Reiz, weiter Fotografierende zu fotografieren ausgemacht, auch um das Bewusstsein für Mitmenschen zu fördern.


Natürlich blieb eine Situationskomik bei gewissen Bildern nicht aus.

Selbstverständlich verstehe ich diese Reiselust - auch mich hat Sie schon gepackt, und es ist etwas Wunderbares, Horizont erweiterndes, sich diese Welt anzusehen. Dennoch fällt mir vermehrt der wirtschaftliche Aspekt an diesem Phänomen auf. Ist es mir nicht auch schon selber so ergangen, dass ich im Louvre an Gemälden vorbei geschupst worden bin, und nur wenige Sekunden, über Köpfe hinweg, einen kurzen, lang ersehnten Blick auf die seltenen Raritäten werfen konnte.

Oder die Besucher der Akropolis, oder des Gizeh Plateaus, und des Tal der Könige, welche auf gleiche Art und Weise überteuert an Weltkulturerben vorbei geschleust werden. Oder sogar, wie neustens, nur noch Repliken vorgesetzt bekommen. Ist das nicht auch in Luzern geplant? Ist die geplante Mall of Switzerland, nicht auch das gleiche? Ist der Preis, den es kostet, der Flug und was an Ressourcen verbraucht werden, nicht auch Betrug am Touristen? An uns allen?

Einblicke in Ausblicke


Auch das Lebensgefühl inmitten dieses Tumults hat mich zur Anfertigung dieser Bilderreihe gebracht. Schon in Interlaken ist mir aufgefallen, dass der Preis für den Verdienst hauptsächlich auch die Anwohner dieser Gebiete mit bezahlen müssen. Denn obwohl die meisten dadurch auch Arbeit erhalten, sind ihre Umwelt, ihre Naherholungsgebiete, ihre Berge und Seen, nicht alle samt und sonders, mit an den Tourismus verkauft? Wird dies von uns und/oder den Verantwortlichen bewusst in Kauf genommen? Und wenn ja, wie weit darf dies gehen?

Ein wichtiger Bestandteil vieler Reisen - das Beweisfoto. Hier die bevorzugte Version des Selfies.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0